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Aktuelles zum Heiraten in Dänemark

Deutlich weniger Heiraten in Dänemark

Mit Jahresbeginn 2019 hat Dänemark seine Heiratsregeln reformiert. Es handelt sich um gravierende Änderungen, die alle bisherigen Einzelregelungen dänischer Standesämter ungültig machen. Örtliche Spezialitäten hatten sich über die Jahre entwickelt und mancherorts zu einem wahren "Hochzeitstourismus" geführt (siehe unten). Damit ist nun Schluss, es gelten neue Regeln und es werden deutlich weniger Paare zur Trauung in Dänemark zugelassen.

Wer künftig in Dänemark heiraten darf, entscheidet kein Standesamt sondern einzig und allein eine neu etablierte Prüfbehörde, die ziemlich rigoros agiert. Es wird außerdem Paare geben, die nicht mehr in Dänemark heiraten können. Fazit: es wird deutlich weniger Trauungen in Dänemark geben.

Scheinehen im Visier
Scheinehen sollen mit diesen neuen Regeln unmöglich gemacht werden. Die neue Prüfeinheit entscheidet, welches Paar eine Zulassung zur Trauung erhält. Standesämter haben nichts mehr zu entscheiden. Standesämter sind nur noch zuständig für Termine und Trauungen.

In den Vorjahren geschlossene Scheinehen werden behördlich verfolgt - vorrangig von Polizei-Ermittlern in Dänemark und Deutschland. Aber auch von deutschen Ämtern, die sich offenbar speziell für Paare interessieren, die von einer bestimmten Hamburger Heiratsagentur vermittelt worden sind.

25.01.2019: Nach den ersten 14 Arbeitstagen hat die Leiterin der neuen dänischen Prüfbehörde in einem Zeitungsinterview vom 23.01. über erste Erfahrungen gesprochen und diese bisher einzigen Zahlen öffentlich genannt:

Von 170 eingereichten Anträgen waren nach Ansicht der Prüfer 150 fehlerhaft (88 Prozent). Mangelhafte Dokumentationen und Unleserliches nannte die Chef-Prüferin als Hauptgründe für Mängelrügen und Ablehnungen. Unter den abgelehnten Anmeldungen befanden sich nach ihren Worten auch einige Anträge "die unsere Neugier geweckt haben".

Neue Regeln und eine harte Prüfpraxis sollen bekanntlich die Zahl der Scheinehen eindämmen. Was man wissen sollte: das Anmeldeverfahren hat durchaus seine Haken und Ösen. Ein Selbermacher geht in aller Regel ohne jede Erfahrung zu Werke, er sieht die gefährlichen Stellen nicht.

Razzien in Hamburg und Kampen/Sylt
14.03.2019: 30 Beamte der Bundespolizei haben am 13. März zeitgleich Häuser und Wohnungen und Wohnungen in Kampen auf Sylt, Hamburg und Bremerhaven durchsucht. Es geht um Scheinehen, Urkundenfälschung und Schleusung von Ausländern. Ermittler der Bundespolizei stellten zahlreiche Datenträger sicher. Die beiden Tatverdächtigen sollen im großen Stil Scheinehen für Menschen aus Fernost vermittelt haben. Etwa 1000 von ihnen sollen so ein Aufenthaltsrecht in Deutschland illegal erworben haben. (Quelle: ndr.de)

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Wie konnte es dazu kommen?
Ermittlungen zufolge lassen sich Ursprünge für ein organisiertes Treiben in einer Hamburger Heiratsagenur finden. Die soll verantwortlich sein für rund 1000 Scheinehen, vornehmlich geschlossen auf der dänischen Ostseeinsel Ærø. Bis zu 15.000 Euro sollen für eine Heirat bezahlt worden sein. Längst nicht alles Geld alles haben die Agenturinhaber eingestrichen. Auch EU-Bürgerinnen, die sich für eine Scheinehe zur Verfügung stellten, und Urkundenfälscher erhielten ihren Anteil. Damit sind die Beteiligten jedoch nicht abschließend aufgezählt.

Im Juni 2018 standen drei Agentur-Verantwortliche in Hamburg vor Gericht. Abgeschlossen ist der Prozess jedoch bis heute nicht. Weitere Ermittlungen laufen - wie sich in den Razzien vom 13. März zeigt. Neu ist der Vorwurf der Urkundenfälschung. In der Agentur soll man einen Gerichtsbeschluss dahingehend gefälscht haben, dass die strafrechtlichen Ermittlungen eingestellt worden seien. So machte die Heiratsagentur weiter: Weltweit einschließlich Dänemark. Allerdings mit leeren Versprechungen. Die neuen dänischen Regeln scheinen bei dieser Agentur noch nicht angekommen zu sein (Stand 16.03.2019).

Jährlich bis zu 4000 Trauungen
Meine Agentur hat in den vergangenen zehn Jahren kein einziges Paar nach Ærø vermittelt - obwohl es immer wieder Anfragen gab. Gern auch mit unterdrückter Rufnummer, gern mit einem gemurmelten "Geld spielt keine Rolle". Mancher, der in die EU einheiraten wollte, wusste bereits, dass es da eine dänische Insel gab auf der vieles möglich war. Bei keinem anderen dänischen Standesamt wäre mit derart mageren Papieren eine Trauung möglich gewesen - deshalb hielt ich mich fern von solchen Angeboten und von diesem Standesamt.

Jährlich über 4000 Eheschließungen soll es zuletzt auf Ærø gegeben haben. Zum Vergleich: das grenznahe Tondern erreichte ca. 2000 Trauungen, die verkehrstechnisch bestens erreichbare und standesamtlich viel höher ausgestattete Hauptstadt Kopenhagen kam vielleicht ebenfalls auf 4000 Trauungen. Wie also schaffte diese verkehrsferne kleine Insel eine solche Rekordzahl?

Wer mit Kopenhagen gleichzieht, erregt sicherlich Aufmerksamkeit und Hinweise mehrten sich schon lange. Der Hamburger Kriminalprozess mit seinen wesentlich früher begonnenen Ermittlungen beiderseits der Landesgrenze spielte sicherlich eine Rolle. Vielleicht kam auch politischer Druck aus Deutschland. Wie auch immer: die dänische Regierung sah dringenden Handlungsbedarf - und sie handelte.

Folgen sind gewaltig
Hotellerie, Gastronomie auf der Insel und etliche andere Dienstleister (nicht nur auf der Insel) konnten vom boomenden Hochzeitstourismus gut leben. Die Paare kamen zuverlässig, ganzjährig und wetterunabhängig - während im Rathaus wie am Fließband Ehen besiegelt wurden.

In der Gemeindekasse werden künftig Standesamtsgebühren von jährlich überschlägig fast 500.000 Euro fehlen. Die landesweite Heiratsgebühr wurde zum 1. Januar 2019 zwar kräftig erhöht, sie fließt jetzt allerdings - an allen Hochzeitsorten vorbei - direkt in die dänische Staatskasse. Weitere Verluste durch geringere Einnahmen aus lokalen Steuern sind in dieser überschlägigen Rechnung nicht berücksichtigt.

Und sonst? Jetzt sind die Insulaner wieder mehr unter sich und freuen sich auf den Sommer. Segler werden kommen und Urlauber, die Ruhe suchen. Die müssen sich in der Hochsaison nun auch nicht mehr mit Hochzeitern um die letzten freien Betten balgen. Im Standesamt kehrt Ruhe ein und wenn ein nettes Paar die Reise nicht scheut, bin ich nun auch gern bereit, bei einer Heirat auf Ærø zu helfen.

 


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Standesbeamte stoppen Scheinehe

Quelle ist die dänische Tageszeitung BT vom 18.04. 2019. Hier die gekürzte deutsche Übersetzung:

Nicht jeder reist auf Dänemarks nicht überfüllte Hochzeitsinsel, um aus Liebe zu heiraten. Die Standesbeamten auf Ærø haben das neulich erlebt.

Ihr Verdacht fiel auf einen Nepalesen und eine Ungarin. Das Paar, das am 11. April heiraten wollte, wurde von den Standesbeamten zu einem Gespräch gebeten.

"Es stellte sich bald heraus, dass sich der Mann und die Frau nicht kannten. Sie sprachen nicht dieselbe Sprache und konnten daher nicht miteinander kommunizieren. Es sollte eine Scheinehe werden “, sagte Bürgermeister Ole Wej Petersen.

Zuvor hatten der Nepalese und die Ungarin ihre von der zentralen Prüfbehörde genehmigten Papiere erhalten. Dieses Paar hatte das System unterlaufen, das die geplante Scheinehe hätte entdecken sollen ... Seit der Einrichtung der neuen Prüfeinheit wird kritisiert, dass sie lange Bearbeitungszeiten verursacht, was das Risiko von Schäden an Reisezielen wie Ærø mit 200 Hochzeitstagen im Jahr und vielen Hochzeitern birgt.

 

Hochzeiter werden selten auf Ærø

Im Vorjahr konnte die dänische "Hochzeitsinsel" (Eigenwerbung) noch über 4000 Trauungen ausländischer Paare vorweisen. Damit spielte die kleine Ostseeinsel in einer Liga mit Kopenhagen. Nun hat Ærø für die ersten Monate 2019 dramatische Verluste bekannt gegeben. Demnach wurden in den ersten vier Monaten 700 Ehen geschlossen. Im gleichen Zeitraum 2018 waren es noch 1643 (Quelle: Tageszeitung Fyns Amts Avis vom 15.05.2019). Das ist ein Minus von 57,4 Prozent.

Von diesen 700 Trauungen konnten 437 noch nach den alten (weicheren) Regeln erfolgen, weil die Zulassungen bereits im November/Dezember 2018 ausgesprochen worden waren. Diese Ausnahmeregelung endete am 31.03.2019. 268 aller Paare, die bis Ende April auf Ærø geheiratet haben, erhielten ihre behördliche Zulassung im laufenden Jahr. Macht im Monatsdurchschnitt 67 Paare für Ærø.

Neue Regeln sorgen in ganz Dänemark für weniger Trauungen ausländischer Paare und bedeuten hohe Einnahmeverluste für dänische Hochzeitsorte. Die Standesamtsgebühren fließen seit Januar 2019 an den Orten vorbei - und direkt in die Staatskasse. Im vergangenen Jahr sprudelte dies Quelle noch munter für Ærø. Fast 500.000 Euro füllten das Gemeindesäckel. Hinzu kommen seit Jahresbeginn Verluste aus fehlenden Übernachtungen, Restaurantbesuchen etc.

Wer auf Ærø heiraten möchte, sollte jetzt vielleicht in die Vorbereitungen einsteigen: Im Sommer wollen politische Gremien der Ostseeinsel bewerten, ob es auf Ærø auch künftig noch Trauungen für ausländische Paare geben soll.