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Aktuelles zum Heiraten in Dänemark

Endlich Schluss mit Scheinehen: Warum die dänische Staatsregierung Anfang 2019 strengere Heiratsregeln erlassen hat und welche Auswirkungen die neuen Bestimmungen auch für ehrliche Paare mit sich bringen.

 

Einwohner aus etwa 30 europäischen Ländern haben seit Ende Juni wieder freie touristische Einreise nach Dänemark. Hinzu kommen Einwohner mehrerer außereuropäischer Länder. Für die allermeisten Reisenden ist diese Erlaubnis geknüpft an einen Buchungsnachweis für mindestens sechs Übernachtungen in Dänemark. Wer touristisch einreisen darf, auch Schweden ist nun komplett dabei, und wer dank seines Wohnsitzes von Pflichtübernachtungen befreit ist, lesen Sie auf dieser Seite.

Alles Absicht: Weniger Heiraten in Dänemark

Neue Heiratsregeln existieren seit Anfang 2019. So neu sind sie also nicht mehr. Trotzdem: bis heute sorgen die Zulassungsregeln für teils heftige Reaktionen bei Paaren und negative Geschäftsbilanzen. Grenznahe und/oder Hochzeitsorte mit einem guten Image haben keinen Grund zur Klage. Abgelegene Locations hingegen, wie die vordem stark nachgefragte Insel Ærø, melden Nachfrage-Schwund und Geschäftsrückgänge bis hin zu Betriebsaufgaben.

Immer mal wieder angekündigt aber bis jetzt nicht vorhanden, ist eine aktuelle Bilanz aus der dänischen Prüfbehörde. Wäre interessant zu wissen, ob sich an der Versager-Quote von 88 Prozent etwas geändert hat. Vermutlich nicht. Wenn ich so sehe, was allein meiner Agentur unverlangt zugesandt wird als "unsere vollständigen Heiratspapiere", vermute ich insofern keine Besserung.

So manches Paar wird in Dänemark nicht heiraten können. Wer keine Chancen hat, kann sich Kosten und Mühen sparen. Das ist die eine Gruppe. Die andere hätte zwar Chancen, versagt jedoch im Anmeldeprozess. Woher soll das Wissen auch kommen? Mit einer erfahrenen Agentur wäre das wohl nicht passiert. Tipp: Besser vorher telefonisch bei einem seriösen Ratgeber anfragen, ob er den Fall übernimmt.

Es sollte sich herumgesprochen haben: Dänemark hat seine Heiratsregeln einschneidend reformiert. Es ist politisch gewollt, dass weniger ausländische Paare in Dänemark heiraten. Auch die seit Ende Juni 2019 amtierende Regierung unter Staatsministerin Mette Frederiksen will an diesem Kurs nichts ändern.

Über Jahre hinweg hatten sich in einzelnen dänischen Hochzeitsorten gewisse "Spezialitäten" entwickelt, was mancherorts zu einem gut geschmierten "Hochzeitstourismus" führte (zu den Auswüchsen lesen Sie nachfolgend mehr).

Die neuen Regeln ändern das dänische Zulassungsverfahren erheblich und nicht bloß "ein bisschen", wie manche Paare glauben. Erklärtes Ziel ist es, Scheinehen und weitere "interessante" Anmeldungen auszusondern. Beispielsweise will man Einwanderungen in EU-Sozialsysteme durch Heirat verhindern.

Scheinehen im Visier

Sogenannte "Pro-forma-Ehen" und andere auffällige Anmeldungen sollen mit den neuen Regeln aufgedeckt werden. Allein die zentrale Prüfbehörde entscheidet, welches Paar eine Zulassung zur Trauung erhält. Örtliche Standesämter sind nur noch zuständig für Terminvergaben und Trauungen. Ehen, die in den Vorjahren bei bestimmten dänischen Standesämtern geschlossen worden sind, werden von Polizei-Ermittlern in Dänemark und Deutschland auf Verdachtsfälle untersucht. Auch deutsche Ämter interessieren sich offenbar für Paare, die von bestimmten Agenturen an bestimmte Standesämter vermittelt worden sind.

25.01.2019: Nach den ersten 14 Arbeitstagen hat die Leiterin der neuen dänischen Prüfbehörde in einem Zeitungsinterview vom 23.01. über erste Erfahrungen gesprochen und diese bisher einzigen Zahlen öffentlich genannt:

Von 170 eingereichten Anträgen waren nach Ansicht der Prüfer 150 fehlerhaft (88 Prozent). Mangelhafte Dokumentationen und Unleserliches nannte die Chef-Prüferin als Hauptgründe für Mängelrügen und Ablehnungen. Unter den abgelehnten Anmeldungen befanden sich nach ihren Worten auch einige Anträge "die unsere Neugier geweckt haben". Neuere Zahlen sind nicht bekannt.

Razzien in Hamburg und Kampen/Sylt
14.03.2019: 30 Beamte der Bundespolizei haben am 13. März zeitgleich Häuser und Wohnungen und Wohnungen in Kampen auf Sylt, Hamburg und Bremerhaven durchsucht. Es geht um Scheinehen, Urkundenfälschung und Schleusung von Ausländern. Ermittler der Bundespolizei stellten zahlreiche Datenträger sicher. Zwei Tatverdächtige sollen im großen Stil Scheinehen für Menschen aus Fernost vermittelt haben. Etwa 1000 von ihnen sollen so ein Aufenthaltsrecht in Deutschland illegal erworben haben. (Quelle: ndr.de)

Wie konnte es so weit kommen?

Ermittlungen zufolge lassen sich Ursprünge für ein organisiertes Treiben beispielsweise in einer Hamburger Agentur finden. Die soll verantwortlich sein für rund 1000 Scheinehen, vornehmlich geschlossen auf der dänischen Ostseeinsel Ærø. Bis zu 15.000 Euro sollen für eine Heirat bezahlt worden sein. Längst nicht alles Geld alles haben die Agenturinhaber eingestrichen. Auch EU-Bürgerinnen, die sich für eine Scheinehe zur Verfügung stellten, und Urkundenfälscher erhielten demnach ihren Anteil. Damit sind die Beteiligten jedoch nicht abschließend aufgezählt.

Ermittlungsverfahren laufen etwa seit Frühsommer 2018. Wie sich in den Razzien vom 13. März zeigt, dauern die Ermittlungen immer noch an. Neu ist der Vorwurf der Urkundenfälschung. In einer Agentur soll man einen Gerichtsbeschluss dahingehend gefälscht haben, dass die strafrechtlichen Ermittlungen eingestellt worden seien.

Jährlich bis zu 4000 Trauungen

Meine Agentur hat in den vergangenen zehn Jahren kein einziges Paar nach Ærø vermittelt - obwohl es immer wieder Anfragen gab. Gern auch mit unterdrückter Rufnummer, gern mit einem gemurmelten "Geld spielt keine Rolle". Mancher, der in die EU einheiraten wollte, wusste bereits vom Hörensagen, dass es da eine kleine dänische Insel gab auf der vieles möglich war. Bei keinem anderen dänischen Standesamt wäre mit derart mageren Papieren eine Trauung möglich gewesen - deshalb hielt ich mich fern von solchen Angeboten und von diesem Standesamt.

Beispiel Ærø: Folgen sind gewaltig

September 2019: Wegen wegbrechender Einnahmen aus dem Hochzeitsgeschäft werden 2019 allein in der Gemeindekasse etwa 1,4 Millionen Kronen fehlen (umgerechnet ca. 200.000 Euro). Das meldet die Zeitung 'Fyns Amts Avis' am 07.09.2019. Die früher erhobene Standesamtsgebühr fließt seit Januar 2019 nicht mehr an das einzelne Standesamt, sondern in die zentrale Staatskasse. Ursache sind die wenigen Paare, die noch auf Ærø heiraten. Darunter leiden alle Dienstleister wie Fährbetreiber, Zimmervermieter, gastronomische Betriebe und Hochzeitsfotografen. Die Inselgemeinde wolle dennoch auch in Zukunft standesamtliche Trauungen für nicht-dänische Paare anbieten, so die Zeitung 'Fyns Amts Avis'

 

 

 

 

Wissen Sie wie eine erfolgreiche Anmeldung zur Trauung gestaltet sein sollte? Wissen Sie, worauf die dänische Prüfbehörde im Einzelfall immer mehr Wert legt? Genau darauf kommt es allerdings an.

Dänische Regierungschefin kann nicht heiraten

Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen ergeht es wie vielen Paaren in diesen Zeiten von Corona. Die Regierungschefin möchte nämlich schon länger ihren Partner Bo Tengberg heiraten. Es lief gerade Versuch Nr. 2. Mette Frederiksen sollte es eigentlich etwas einfacher haben als internationale Paare, denn Dänen müssen nicht den Weg über die Prüfbehörde gehen. Trotzdem stößt die Ministerpräsidentin jetzt schon wieder auf ein Problem und wieder wegen Corona. Für den zweiten Anlauf hatte sich das Paar den 17. Juli als Hochzeitstag ausgesucht. Doch am 17./18. Juli tagt nun der EU-Rat in Brüssel: Sondersitzung wegen des 750 Milliarden schweren Corona-Hilfsprogramms. "Verdammt", schreibt Mette Frederiksen auf Ihrer Facebook-Seite, "aber ich muss meinen Job erledigen und die Interessen Dänemarks schützen." Plan Nr. 3 ist bereits in Arbeit: "Bald wird es uns gelingen", meint Mette Frederiksen. "Ich freue mich darauf, zu Bo 'Ja' zu sagen (der glücklicherweise sehr geduldig ist)."

Prüfbehörde wird bleiben

Als Mai Mercado noch Ministerin war (bis Juni 2019), verantwortete sie die Verschärfung der Heiratsregeln für ausländische Paare und den Aufbau einer neu gegründeten Prüfbehörde. Diese Prüfbehörde hatte keinen leichten Start, sie stand auch nach Monaten noch im Gegenwind von Bürgermeistern, Standesämtern und Heiratswilligen aus aller Welt. Unter diesem Eindruck und bevorstehenden Parlaments-Neuwahlen zeigte Mai Mercado Wirkung.

31.05.19: Auf der dänischen Ostseeinsel Ærø erklärte die damalige Familienministerin Mai Mercado, sie befürworte eine erneute Änderung in den dänischen Heiratsregeln. Das hätte Konsequenzen für die seit Januar 2019 agierende Prüfbehörde. Hintergrund sind ebenso lange problematische Erfahrungen mit der zentralen Prüfeinheit.

Die Noch-Ministerin stellte in Aussicht, bei einem Wahlsieg die Abteilung zu verkleinern und wesentliche Kompetenzen wieder an die Standesämter zurück zu geben. Zusammen mit der Polizei könnte eine kleinere Prüfeinheit künftig als eine Art Oberaufsicht fungieren. Das berichtet die Tageszeitung 'Fyns Amts Avis'. Mai Mercado hatte die Reise nach Ærø auf Einladung von insularen Geschäftsleuten unternommen. Während ihres Aufenthalts stellte sie sich auch einer Debatte mit rund 150 Bürgern.

08.06.2019: Wahlsieger sind die dänischen Sozialdemokraten unter ihrer Vorsitzenden Mette Frederiksen. Bei den letzten Folketingwahlen 2015 hatten die Sozialdemokraten ihre Regierungsmehrheit an konservative Parteien verloren. Jetzt wurde die Spitzenposition zurück erobert, indem die dänischen Sozialdemokraten die restriktive Einwanderungspolitik der zuvor regierenden konservativen Parteien übernahmen.

September 2019: Die (Minderheits-) Regierung unter Wahlsiegerin Mette Frederiksen wird die neuen Heiratsregeln voraussichtlich nicht ändern. Gegenüber der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau erklärte Astrid Karg, Amtsnachfolgerin von Mai Mercado:

Der Prüfbehörde sei es anscheinend gelungen, "Dänemark als Hintertür für den Zugang zu Europa zu schließen und das freut mich". Die Prüfbehörde leiste eine komplizierte Arbeit und es seien zutiefst kriminelle Netzwerke, die sich nur schwer aufdecken ließen.

Für eine erneute Änderung der neuen Heiratsregeln wäre eine Parlamentsmehrheit erforderlich.

Standesbeamte stoppen Scheinehe

Quelle ist die dänische Tageszeitung BT vom 18.04. 2019. Hier die gekürzte deutsche Übersetzung:

Nicht jeder reist auf Dänemarks nicht überfüllte Hochzeitsinsel, um aus Liebe zu heiraten. Die Standesbeamten auf Ærø haben das neulich erlebt.

Ihr Verdacht fiel auf einen Nepalesen und eine Ungarin. Das Paar, das am 11. April heiraten wollte, wurde von den Standesbeamten zu einem Gespräch gebeten.

"Es stellte sich heraus, sich Mann und Frau nicht kannten. Sie sprachen nicht dieselbe Sprache und konnten daher nicht miteinander kommunizieren. Es sollte eine Scheinehe werden", sagte Bürgermeister Ole Wej Petersen.

Zuvor hatten der Nepalese und die Ungarin ihre von der zentralen Prüfbehörde genehmigten Papiere erhalten. Dieses Paar hatte das System unterlaufen, das die geplante Scheinehe hätte entdecken sollen ... Seit der Einrichtung der neuen Prüfeinheit wird kritisiert, dass sie lange Bearbeitungszeiten verursacht, was das Risiko von Schäden an Reisezielen wie Ærø mit früher mal 200 Hochzeitstagen im Jahr birgt.

Fake News

... gehören leider zum Thema Heiraten in Dänemark. Eine Falsch-Information betrifft die Zulassung zur standesamtlichen Trauung. Richtig ist: Einzig und allein die zentrale dänische Prüfbehörde entscheidet über Zulassung oder Nicht-Zulassung. Das entsprechende Zertifikat ist längstens vier Monate gültig. Eine Verlängerung ist möglich, wenn die alte Zulassung Corona-bedingt nicht genutzt werden konnte (etwa durch ein zeitweisees Einreiseverbot).

Eine "Blitzheirat", die diesen Namen verdient, ist nicht mehr möglich. Es gibt auch kein "leichtes" oder "schweres" Standesamt mehr. Alle dänischen Standesamt sind seit 01.01.2019 alle gleich schwer oder leicht. Um gleiche Bedingungen für alle Paare zu schafen, gilt seit Anfang 2019 ein zentrales Anmeldeverfahren in ganz Dänemark. Trotzdem ist es nicht egal, wo ein Paar heiratet - bei den "soft skills" gibt es schon noch ein paar Unterschiede ...