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Aktuelles zum Heiraten in Dänemark

Deutlich weniger Heiraten in Dänemark

Mit Jahresbeginn 2019 hat Dänemark seine Heiratsregeln reformiert. Dabei handelt es sich um einschneidende Änderungen. Frühere Regeln einzelner Standesämter sind ungültig. Jetzt ist politisch gewollt, dass weniger Trauungen ausländischer Paare in Dänemark stattfinden. Abzuwarten bleibt, ob die seit Ende Juni 2019 amtierende neue Regierung unter Staatsministerin Mette Frederiksen diese Linie beibehalten wird. Bisher jedenfalls gibt es keine sichtbare Kursänderung.

Über Jahre hinweg hatten sich in einzelnen dänischen Hochzeitsorten gewisse "Spezialitäten" entwickelt, was mancherorts zu einem gut geschmierten "Hochzeitstourismus" führte (zu den Auswüchsen lesen Sie nachfolgend mehr). Mit "Spezialitäten" ist Schluss seit dem 1.1.2019.

Die neuen Regeln ändern nicht bloß "ein bisschen" wie manche Paare meinen. Inhaltlich und formal liegt die Messlatte jetzt deutlich höher. Erklärtes Ziel ist es, Scheinehen im Ansatz zu erkennen und die Zahl ausländischer Trauungen in Dänemark zu reduzieren.

Scheinehen im Visier

Sogenannte Pro-forma-Ehen sollen mit diesen neuen Regeln unmöglich gemacht werden. Die neue Prüfbehörde entscheidet allein, welches Paar eine Zulassung zur Trauung erhält. Standesämter bleiben zuständig für Terminvergaben und Trauungen.

In den Vorjahren geschlossene Scheinehen werden behördlich verfolgt - vorrangig von Polizei-Ermittlern in Dänemark und Deutschland. Aber auch von deutschen Ämtern, die sich offenbar speziell für Paare interessieren, die von einer bestimmten Hamburger Heiratsagentur vermittelt worden sind.

25.01.2019: Nach den ersten 14 Arbeitstagen hat die Leiterin der neuen dänischen Prüfbehörde in einem Zeitungsinterview vom 23.01. über erste Erfahrungen gesprochen und diese bisher einzigen Zahlen öffentlich genannt:

Von 170 eingereichten Anträgen waren nach Ansicht der Prüfer 150 fehlerhaft (88 Prozent). Mangelhafte Dokumentationen und Unleserliches nannte die Chef-Prüferin als Hauptgründe für Mängelrügen und Ablehnungen. Unter den abgelehnten Anmeldungen befanden sich nach ihren Worten auch einige Anträge "die unsere Neugier geweckt haben". Seither sind keine neuen Zahlen öffentlich gemacht worden.

Neue Regeln und eine harte Prüfpraxis sollen bekanntlich die Zahl der Scheinehen eindämmen. Was man wissen sollte: das Anmeldeverfahren hat durchaus seine Haken und Ösen. Ein Selbermacher geht in aller Regel ohne jede Erfahrung zu Werke, er sieht die gefährlichen Stellen nicht.

Razzien in Hamburg und Kampen/Sylt
14.03.2019: 30 Beamte der Bundespolizei haben am 13. März zeitgleich Häuser und Wohnungen und Wohnungen in Kampen auf Sylt, Hamburg und Bremerhaven durchsucht. Es geht um Scheinehen, Urkundenfälschung und Schleusung von Ausländern. Ermittler der Bundespolizei stellten zahlreiche Datenträger sicher. Die beiden Tatverdächtigen sollen im großen Stil Scheinehen für Menschen aus Fernost vermittelt haben. Etwa 1000 von ihnen sollen so ein Aufenthaltsrecht in Deutschland illegal erworben haben. (Quelle: ndr.de)

Wie konnte es dazu kommen?

Ermittlungen zufolge lassen sich Ursprünge für ein organisiertes Treiben in einer Hamburger Heiratsagenur finden. Die soll verantwortlich sein für rund 1000 Scheinehen, vornehmlich geschlossen auf der dänischen Ostseeinsel Ærø. Bis zu 15.000 Euro sollen für eine Heirat bezahlt worden sein. Längst nicht alles Geld alles haben die Agenturinhaber eingestrichen. Auch EU-Bürgerinnen, die sich für eine Scheinehe zur Verfügung stellten, und Urkundenfälscher erhielten ihren Anteil. Damit sind die Beteiligten jedoch nicht abschließend aufgezählt.

Im Juni 2018 standen drei Agentur-Verantwortliche in Hamburg vor Gericht. Abgeschlossen ist der Prozess jedoch bis heute nicht. Weitere Ermittlungen laufen - wie sich in den Razzien vom 13. März zeigt. Neu ist der Vorwurf der Urkundenfälschung. In der Agentur soll man einen Gerichtsbeschluss dahingehend gefälscht haben, dass die strafrechtlichen Ermittlungen eingestellt worden seien. So machte die Heiratsagentur weiter: Weltweit einschließlich Dänemark. Allerdings mit leeren Versprechungen. Die neuen dänischen Regeln scheinen bei dieser Agentur noch nicht angekommen zu sein (Stand 16.03.2019).

Jährlich bis zu 4000 Trauungen

Meine Agentur hat in den vergangenen zehn Jahren kein einziges Paar nach Ærø vermittelt - obwohl es immer wieder Anfragen gab. Gern auch mit unterdrückter Rufnummer, gern mit einem gemurmelten "Geld spielt keine Rolle". Mancher, der in die EU einheiraten wollte, wusste bereits, dass es da eine dänische Insel gab auf der vieles möglich war. Bei keinem anderen dänischen Standesamt wäre mit derart mageren Papieren eine Trauung möglich gewesen - deshalb hielt ich mich fern von solchen Angeboten und von diesem Standesamt.

Jährlich über 4000 Eheschließungen soll es zuletzt auf Ærø gegeben haben. Zum Vergleich: das grenznahe Tondern erreichte ca. 2000 Trauungen, die verkehrstechnisch bestens erreichbare und standesamtlich viel höher ausgestattete Hauptstadt Kopenhagen kam vielleicht ebenfalls auf 4000 Trauungen. Wie also schaffte diese verkehrsferne kleine Insel eine solche Rekordzahl?

Wer mit Kopenhagen gleichzieht, erregt sicherlich Aufmerksamkeit und Hinweise mehrten sich schon lange. Der Hamburger Kriminalprozess mit seinen wesentlich früher begonnenen Ermittlungen beiderseits der Landesgrenze spielte sicherlich eine Rolle. Vielleicht kam auch politischer Druck aus Deutschland. Wie auch immer: die dänische Regierung sah dringenden Handlungsbedarf - und sie handelte.


Folgen sind gewaltig

Hotellerie, Gastronomie auf der Insel und etliche andere Dienstleister (nicht nur auf der Insel) konnten vom boomenden Hochzeitstourismus gut leben. Die Paare kamen zuverlässig, ganzjährig und wetterunabhängig - während im Rathaus wie am Fließband Ehen besiegelt wurden.

In der Gemeindekasse werden künftig Standesamtsgebühren von jährlich überschlägig fast 500.000 Euro fehlen. Die landesweite Heiratsgebühr wurde zum 1. Januar 2019 zwar kräftig erhöht, sie fließt jetzt allerdings - an allen Hochzeitsorten vorbei - direkt in die dänische Staatskasse. Weitere Verluste durch geringere Einnahmen aus lokalen Steuern sind in dieser überschlägigen Rechnung nicht berücksichtigt.

Und sonst? Jetzt sind die Insulaner wieder mehr unter sich und freuen sich auf den Sommer. Segler werden kommen und Urlauber, die Ruhe suchen. Die müssen sich in der Hochsaison nun auch nicht mehr mit Hochzeitern um die letzten freien Betten balgen. Im Standesamt kehrt Ruhe ein und wenn ein nettes Paar die Reise nicht scheut, bin ich nun auch gern bereit, bei einer Heirat auf Ærø zu helfen.

 


Wissen wie eine erfolgreiche Anmeldung zur Trauung gestaltet sein sollte. Wissen was die dänische Prüfbehörde im Einzelfall sehen will. Darauf kommt es an. Dieses Wissen ist bei Heiraten.dk vorhanden.

Ein Angebot ausschließlich für das Paar selbst: Erkunden Sie Ihre persönlichen Chancen auf eine standesamtliche Trauung in Dänemark nach dem neuen dänischen Ehegesetz. Rufen Sie an: meine erste Einschätzung Ihrer Chancen erhalten Sie nur telefonisch (kein Rückruf). Beste Telefonzeit ist werktags vormittags. Sie schildern mir Ihre Situation, ich stelle Fragen und gebe Ihnen meine Einschätzung. Für Ihren Anruf müssen Sie Ihre vorhandenen gemeinsamen Papiere gut kennen. Dieses Angebot enthält keine Dokumentenberatung ("Welche Papiere brauchen wir?"). Diese Beratung erfolgt nur schriftlich innerhalb eines  wirksamen Vertrages.

 

Schrumpfkur für die Prüfbehörde?

31.05.19: Auf der dänischen Ostseeinsel Ærø erklärte Familienministerin Mai Mercado, sie befürworte eine erneute Änderung in den dänischen Heiratsregeln. Das hätte Konsequenzen für die seit fünf Monaten agierende Prüfbehörde. Hintergrund sind eben so lange problematische Erfahrungen mit der Prüfeinheit.

Die Ministerin stellte in Aussicht, die Abteilung zu verkleinern und wesentliche Kompetenzen wieder an die Standesämter zurück zu geben. Zusammen mit der Polizei könnte eine kleinere Prüfeinheit künftig als eine Art Oberaufsicht fungieren. Das berichtet die Tageszeitung Fyns Amts Avis.

Für diese Kehrtwende wäre eine Parlamentsmehrheit erforderlich. Dann könnten die dänischen Standesämter frühestens ab Jahresbeginn 2020 wieder selbst entscheiden, welche Paare bei ihnen heraten dürfen. Am 5. Juni finden in Dänemark Parlamentswahlen statt, dessen Ergebnis möglicherweise bereits eine Weichenstellung erahnen lässt.

Ministerin Mai Mercado hatte die Reise nach Ærø auf Einladung von insularen Geschäftsleuten unternommen. Während ihres Aufenthalts stellte sie sich auch einer Debatte mit rund 150 Bürgern. Vor ihrer Abreise von der früheren "Heiratsinsel" verkündete Mercado ihre Bereitschaft, die erst mit Jahresbeginn 2019 etablierte Prüfbehörde zumindest teilweise wieder aufzulösen.

Besonders auf der abseits liegenden Insel Ærø haben die neuen, schärferen Heiratsregeln für einen massiven Einbruch bei den Trauungen gesorgt und damit das Wirtschaftsleben auf der Insel in Mitleidenschaft gezogen. Zugleich war Ærø Verursacher der härteren Regeln. Polizeiliche Ermittlungen mit Razzien in Dänemark und Deutschland hatten kriminelle Machenschaften bei standesamtlichen Trauungen an den Tag gebracht.

Update 08.06.2019: Wahlsieger sind die dänischen Sozialdemokraten unter ihrer Vorsitzenden Mette Frederiksen (41). Bei den letzten Folketingwahlen 2015 hatten die Sozialdemokraten ihre Regierungsmehrheit an konservative Parteien verloren. Jetzt wurde die Spitzenposition zurück erobert, indem die dänischen Sozialdemokraten die restriktive Einwanderungspolitik konservativer Parteien übernahmen.

Fraglich ist, ob Wahlsiegerin Mette Frederiksen das erst vor einem Jahr verabschiedete neue Ehegesetz ändern will. Die bisherige Familienministerin Mai Mercado aus dem jetzt unterlegenen konservativen Parteienspektrum hatte jüngst die rigorose Zulassungsprüfung für ausländische Hochzeiter als Fehler bezeichnet, der korrigiert werden sollte.

 

Standesbeamte stoppen Scheinehe

Quelle ist die dänische Tageszeitung BT vom 18.04. 2019. Hier die gekürzte deutsche Übersetzung:

Nicht jeder reist auf Dänemarks nicht überfüllte Hochzeitsinsel, um aus Liebe zu heiraten. Die Standesbeamten auf Ærø haben das neulich erlebt.

Ihr Verdacht fiel auf einen Nepalesen und eine Ungarin. Das Paar, das am 11. April heiraten wollte, wurde von den Standesbeamten zu einem Gespräch gebeten.

"Es stellte sich heraus, sich Mann und Frau nicht kannten. Sie sprachen nicht dieselbe Sprache und konnten daher nicht miteinander kommunizieren. Es sollte eine Scheinehe werden", sagte Bürgermeister Ole Wej Petersen.

Zuvor hatten der Nepalese und die Ungarin ihre von der zentralen Prüfbehörde genehmigten Papiere erhalten. Dieses Paar hatte das System unterlaufen, das die geplante Scheinehe hätte entdecken sollen ... Seit der Einrichtung der neuen Prüfeinheit wird kritisiert, dass sie lange Bearbeitungszeiten verursacht, was das Risiko von Schäden an Reisezielen wie Ærø mit 200 Hochzeitstagen im Jahr und vielen Hochzeitern birgt.

 

Hochzeiter machen sich rar auf Ærø

Im Vorjahr konnte die dänische "Hochzeitsinsel" (Eigenwerbung) noch über 4000 Trauungen ausländischer Paare vorweisen. Damit spielte die kleine Ostseeinsel in einer Liga mit Kopenhagen. Nun hat Ærø für die ersten Monate 2019 dramatische Verluste bekannt gegeben. Demnach wurden in den ersten vier Monaten 700 Ehen geschlossen. Im gleichen Zeitraum 2018 waren es noch 1643 (Quelle: Tageszeitung Fyns Amts Avis vom 15.05.2019). Das ist ein Minus von 57,4 Prozent.

Von diesen 700 Trauungen konnten 437 noch nach den alten (weicheren) Regeln erfolgen, weil die Zulassungen bereits im November/Dezember 2018 ausgesprochen worden waren. Diese Ausnahmeregelung endete am 31.03.2019. 268 aller Paare, die bis Ende April auf Ærø geheiratet haben, erhielten ihre behördliche Zulassung im laufenden Jahr. Macht im Monatsdurchschnitt 67 Paare für Ærø.

Neue Regeln sorgen in ganz Dänemark für weniger Trauungen ausländischer Paare und bedeuten hohe Einnahmeverluste für dänische Hochzeitsorte. Die Standesamtsgebühren fließen seit Januar 2019 direkt in die Staatskasse. Im vergangenen Jahr sprudelte dies Quelle noch munter für Ærø. Nun werden fast 500.000 Euro im Gemeindesäckel fehlen. Hinzu kommen Verluste aus fehlenden Übernachtungen, Restaurantbesuchen etc.