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Heiraten in einem alten Gefängnis

Hochzeit hinter schwedischen Gardinen

Unter alten Bäumen, hinter einem Burggraben, liegt dieses solitäre Herrenhaus unweit des Meeres. Ein sicherliches außergewöhnliches Ambiente – wie geschaffen für eine ganz außergewöhnliche Trauung

Freiwillig ins Gefängnis? Schon möglich, beispielsweise für ein meditatives Wochenende zum höheren Erkenntnisgewinn. Doch es geht noch mehr. Auf Wunsch und mit passenden Papieren ist hinter Gittern eine echte standesamtliche Trauung möglich. Die Standesbeamtin macht einen Besuch im Knast, zur Nacht geht's ins Himmelbett und zum Frühstück hinter schwedischen Gardinen gibt keinen Kanten Graubrot. Wer möchte beantragt Freigang bei der Direktorin und speist in einem nahen, gediegenen Hotel. Buchbar wäre allerdings auch die Teilnahme an der Gemeinschaftsverpflegung aller freiwilligen Insassen. 

 

Auf Empfehlung der Direktorin hatte ich zu Erkundungszwecken Zelle 6 gebucht, erster Stock links. Der Weg dorthin führt durch ein eisernes Gittertor. Immerhin, vor meinem Zellenfenster (nicht vergittert) reckt sich ein Birnbaum in den Himmel. Wer sich abseilt, wird nicht viel Freude haben, er landet im Gefängnishof. Ansonsten: saubere Bettwäsche, kein WLAN, dafür auch kein TV. Ein eigenes Bad mit fließend Wasser, kalt und richtig heiß. Eine „Dänische Dusche“, die kennt auch nicht jeder: das Badezimmer ist die Dusche. Im Freigang gucke ich mir auch andere Zellen an. Erstaunlich, was man aus einem alten Knast machen kann – sogar eine Standesamt-Filiale für Paare, die das Spezielle lieben.